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Kick-off durch die Globalisierung. Mexikos Weg vom Entwicklungsland zum G20-Mitglied

Kick-off durch die Globalisierung. Mexikos Weg vom Entwicklungsland zum G20-Mitglied CC BY 2.0 Flickr.com/ Esparta Palma

Mexiko steht derzeit vor schweren inneren Problemen. Öffentliche Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit und Korruption sind nur einige davon. Trotzdem ist das Land der Azteken auch ein herausragendes Beispiel für die Vorteile der Globalisierung.




In den letzten 20 Jahren hat sich das Land in einem unspektakulären, aber konsequenten Öffnungsprozess von einem armen, rohstoffexportierenden Entwicklungsland zum G20- und OECD-Mitglied entwickelt.

 

Vor rund 20 Jahren wandelte sich Mexiko von einer geschlossenen Wirtschaft zu einem der offensten und wettbewerbsfähigsten Länder der Welt. Um sich dem internationalen Handel zu öffnen, wurden zahlreiche Zölle abgeschafft. Reformen in Gesetzgebung und administrativen Vorschriften sorgten dafür, dass das Land für internationale Investoren interessant wurde und Mexiko mit immer mehr Staaten Handelsbeziehungen aufnahm. Heute unterhält Mexiko mit 45 Staaten Freihandelsabkommen, die 60 Prozent des BIP weltweit ausmachen und rund eine Mrd. Verbraucher bedienen. Vor 25 Jahren war es unvorstellbar, dass das Land sich in zwei Jahrzehnten zu einer Industrie- und Agrarmacht dieses Kalibers entwickeln würde. Mexiko ist heute der Hauptproduzent von Fernsehern, Kühlschränken und weltweit der sechstgrößte Produzent von Flugzeugteilen. Im Agrarbereich hält Mexiko einen Spitzenplatz beim Export von Avocados, Mangos, Tomaten, Papaya und Bier. Außerdem ist das Land südlich des Río Grande auch einer der zehn größten Produzenten von Rindfleisch, Melonen und Broccoli.

 

In dieser vergleichsweise kurzen Zeit entwickelten sich Industrien und Wertschöpfungsketten, die stark in die internationalen Handelsströme und Produktionsketten integriert sind. Der Kontakt mit internationalen Handelspartnern modernisierten die Landwirtschaft, die Textil-, Medizin-, Luftfahrt- und Automobilindustrie, aber auch die Elektroindustrie. Mehr als 70 Prozent der mexikanischen Exporte kommen heute aus diesen Sektoren – und nicht mehr aus der Erdölindustrie wie früher. Damit hat Mexiko einen wichtigen Schritt getan, der das Land von südamerikanischen Staaten unterscheidet, die im Wesentlichen noch von Rohstoffexporten und den schwankenden Weltmarktpreisen für diese Produkte abhängen.

 

Die Nähe zum US-amerikanischen Markt machte Mexiko nach der Unterzeichnung des NAFTA-Freihandelsabkommens 1994 für die internationale Automobilindustrie so attraktiv, dass heute von den 100 größten Herstellern von Autoteilen 89 Produktionsstandorte in Mexiko unterhalten. Mexiko ist heute, ohne eine eigene Automarke zu besitzen, international der siebtgrößte Autoproduzent. Im industriellen Korridor im nördlichen zentralen mexikanischen Hochland zwischen Querétaro und León produzieren koreanische, japanische, deutsche, italienische und US-amerikanische Firmen für die internationalen Märkte.

 

Neben den rein wirtschaftlichen Zahlen bedeutete diese Entwicklung aber vor allem auch einen starken Anstieg der Investitionen in die Ausbildung qualifizierter Arbeitskräfte. In absoluten Zahlen schließen in Mexiko jedes Jahr mehr Studenten ein Ingenieursstudium ab als in den USA. Und das, obwohl die USA eine dreimal größere Bevölkerung haben.


Dank des NAFTA-Freihandelsabkommens ist in Nordamerika eine integrierte Produktionsplattform zwischen Kanada, den USA und Mexiko entstanden, die international wettbewerbsfähige Produkte herstellt. 40 Prozent der mexikanischen Exporte in die USA und zwei Prozent der kanadischen Exporte in die USA enthalten bereits Vorprodukte, die in den USA gefertigt wurden. Die Dynamik dieser regionalen Handelsbeziehungen wird deutlich an dem Beispiel, dass durchschnittlich die Autoteile, die für die Produktion eines Neuwagens notwendig sind, achtmal die Staatsgrenzen von Kanada, Mexiko und den USA überschreiten, bevor das fertige Auto vom Band läuft. Der regionale Handel zwischen den NAFTA-Partnern hat sich seit 1993 von 290 Mrd. US-Dollar auf 1.100 Mrd. vervierfacht.

 

Aber die Auswirkungen des Handels gehen weit über die wirtschaftlichen Indikatoren hinaus: Die wirtschaftliche Öffnung reduzierte die illegale Migration in die USA stark und bewirkte Reformen im Straf- und Handelsrecht sowie die Standardisierung von Rechts- und Handelsvorschriften. Diese Modernisierungseffekte, die jetzt auch Teilen der Bevölkerung und der heimischen Wirtschaft zu Gute kommen, die primär vielleicht gar nicht direkt am internationalen Handel beteiligt sind, waren von den Unterzeichnern des NAFTA-Abkommens wahrscheinlich gar nicht vorgesehen. Sie haben aber für viele Mexikaner einen Wohlstandgewinn und Lebenschancen im eigenen Land geschaffen, die vorher undenkbar waren. Bei der aktuell lebhaft geführten Debatte über die Globalisierung sollte dies nicht vergessen werden, gerade auch im Hinblick auf die Argumentationslinie der US-Regierung Trump.

 

In den letzten vier Jahren hat sich Mexiko in ein attraktives Land für ausländische Direktinvestitionen gewandelt. Die Reformen im Telekommunikations- und Energiesektor haben neue Chancen und Märkte für private Investitionen geschaffen. Der internationale Handel ist für Mexiko unverzichtbar. Die mexikanische Wirtschaft hat sich auf die Produktion von Wirtschaftsgütern mittlerer Technologien spezialisiert. Deshalb ist sie auf die komplexen, international verknüpften Produktionsketten dringend angewiesen. Ohne Handelsbarrieren importieren und exportieren zu können, ist lebenswichtig für das Land. Bei den

 

Neuverhandlungen des NAFTA-Abkommens, die jetzt im August beginnen sollen, wird Mexiko deshalb seinen Beitrag, den es zur Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Produkte leistet, offensiv einbringen, um diese nordamerikanische Erfolgsgeschichte fortsetzen  zu können. Das Beispiel des NAFTA-Raums zeigt deutlich, dass Freihandel kein Nullsummenspiel ist.

 

 

Fernando Valdés arbeitet als Projektassistent Mexiko im Regionalbüro Lateinamerika

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